Neujahr von Juli Zeh

Scheinbar die Geschichte eines ganz "normalen" Mannes in der heutigen Zeit, entwickelt sich dieses Buch zu einem rasend spannenden Drama, wie man es vielleicht noch nie zuvor gelesen hat:

Statt die Feiertage zuhause in Göttingen zu verbringen, zieht es Henning mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern nach Lanzarote. Früh am Neujahrsmorgen sitzt Henning auf dem Leihfahrrad: Er hat sich vorgenommen, den Steilaufstieg des Berges Femés zu bezwingen. Henning ist sportlich, die Radtour soll ihn entspannen, doch das Fahrrad ist zu schwer und er hat vergessen, etwas zu trinken mitzunehmen.

Während er fährt, lässt er sein Leben Revue passieren. Scheinbar ist alles perfekt, die Kinder, der Job, seine moderne Ehe, in der er sich Berufs- und Familienarbeit mit seiner Frau teilt. Doch Henning leidet unter ständiger Überforderung und unter der Furcht, dass "Es"  auftaucht, ständig wiederkehrende Panikattacken, die ihn regelmäßig aus der Bahn werfen.

Auf dem Berggipfel angekommen, wird ihm plötzlich klar: Genau hier ist er als Kind gewesen. Und plötzlich werden lange verschüttete Erinnerungen wach an ein traumatisches Erlebnis, das ihn unterbewusst bis heute verfolgt.

Und spätestens an dieser Stelle kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Idee Juli Zehs Schreibstil sind großartig, aber bei aller Spannung geht es auch um die Frage: Bestimmen wir als Erwachsene unser Leben selbst oder werden wir bestimmt, zum Beispiel von den Erfahrungen der Kindheit?

 

Zeh, Juli
Luchterhand Literaturverlag
ISBN/EAN: 9783630875729
20,00 €
Kategorie:
Roman